Der Vokativ

Die direkte Anrede – der siebte Fall, den es im Deutschen gar nicht gibt.

1Einstieg
2Beispiele
3Regel
4Vergleich
5Üben
6Spickzettel
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Einstieg

Wenn du im Deutschen jemanden rufst, änderst du am Namen nichts: „Ivan, komm her!" Im Bosnischen bekommt der Name bei der Anrede eine eigene Form: „Ivane, dođi!"

Das ist der Vokativ – der Fall der direkten Anrede. Du benutzt ihn, wenn du jemanden ansprichst, rufst oder ausrufst. Es ist der siebte und letzte Fall – und der einzige, den das Deutsche gar nicht hat.

Damit ist dein Fall-System komplett. Der Vokativ ist dazu einer der einfachsten – meist nur eine kleine Endung.

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Beispiele

Achte auf die Endung bei der Anrede – sie unterscheidet sich vom normalen Wort:

Ivan → Ivane!
Ivan!
maskuliner Name: -e
Dobar dan, gospodine!
Guten Tag, mein Herr!
höfliche Anrede
Dobar dan, gospođo!
Guten Tag, meine Dame!
Feminin: -o
Majko!
Mutter!
Feminin: -o
Prijatelju!
Freund!
weicher Stamm: -u
Bože moj!
Mein Gott!
Ausruf (Bog → Bože)

Erkennst du das Muster? Maskuline Wörter bekommen meist -e (Ivane, gospodine), manche -u (prijatelju). Feminine Wörter auf -a bekommen -o (gospođo, majko). Der Vokativ steht immer da, wo du jemanden direkt ansprichst.

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Die Regel

Gruppe 1: Wofür steht der Vokativ?

Der Vokativ hat nur eine Aufgabe – aber eine sehr häufige: die direkte Anrede.

Situation Beispiel
jemanden rufen / ansprechenIvane! – Ivan!
höfliche AnredeDobar dan, gospodine! – Guten Tag, mein Herr!
Familie / vertrautMajko! – Mutter! / Brate! – Bruder!
AusrufBože moj! – Mein Gott!

Gruppe 2: So bildest du den Vokativ (Singular)

Die Endung hängt vom Geschlecht ab. Das Neutrum bleibt sogar unverändert:

Geschlecht Endung Beispiele
Maskulin (harter Stamm)-eIvan → Ivane, profesor → profesore, brat → brate
Maskulin (weicher Stamm)-uprijatelj → prijatelju, muž → mužu
Feminin auf -a-a → -ožena → ženo, majka → majko, gospođa → gospođo
Neutrumkeine Änderungdijete → dijete, selo → selo
Kein eigener Plural: Im Plural (und beim Neutrum) benutzt man einfach den Nominativ. Der Vokativ hat also nur im Singular eigene Formen – das macht ihn besonders leicht.

Gruppe 3: Zwei Besonderheiten

Bei manchen maskulinen Wörtern ändert sich vor dem -e noch ein Laut (wie beim Dativ „majka → majci"):

Nominativ Vokativ
Bog (Gott)Bože
čovjek (Mensch)čovječe
drug (Kamerad)druže
Moderner Gebrauch: Bei weiblichen Vornamen lässt man den Vokativ heute oft weg (man hört „Ana!" statt „Ano!"). Bei Anreden (gospodine, gospođo, profesore) und männlichen Namen ist er dagegen sehr lebendig.
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Deutsch ↔ Bosnisch

Deutsch

Es gibt keinen Vokativ. Bei der Anrede nimmt man den Nominativ: „Ivan, komm!"

Der Name bleibt gleich – egal, ob du über ihn sprichst oder ihn rufst.

Bosnisch

Es gibt eine eigene Anredeform: „Ivane, dođi!"

Maskulin -e/-u, Feminin -o, Neutrum unverändert.

Ein ganz neues Konzept: Der Vokativ ist der einzige Fall ohne deutsche Entsprechung – aber gerade deshalb leicht zu merken, weil er nur eine Aufgabe hat. Achte künftig einfach darauf: Sprichst du jemanden direkt an, kommt die Vokativ-Endung dran.

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Üben

Teste dein Wissen mit 10 Fragen:

Frage 1 von 10
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Spickzettel

Das Wichtigste auf einen Blick

Aufgabe: der Anrede-Fall – wenn du jemanden direkt ansprichst, rufst oder ausrufst.
Neu für Deutschsprachige: Das Deutsche hat keinen Vokativ (nutzt den Nominativ).
Maskulin: meist -e (Ivane, gospodine, brate), weicher Stamm -u (prijatelju).
Feminin auf -a: -o (ženo, majko, gospođo).
Neutrum & Plural: keine Änderung (= Nominativ).
Lautwandel möglich: Bog → Bože, čovjek → čovječe. Weibliche Namen heute oft ohne Vokativ.