Genitiv

Der Wessen-Fall: Besitz, Herkunft und Mengen – und der Fall mit den meisten Präpositionen.

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Einstieg

Zwei Sätze, die du in Bosnien ständig hörst: „Ja sam iz Sarajeva." (Ich bin aus Sarajevo.) und „Nema problema!" (Kein Problem!). Beide stehen im Genitiv – erkennbar an der Endung.

Der Genitiv ist der „Wessen-Fall", aber er kann viel mehr: Er zeigt Besitz, Herkunft und Mengen – und er folgt auf die meisten Präpositionen von allen Fällen. Gerade für Herkunft und Familie ist er unverzichtbar.

Ein kleiner Bonus vorweg: Die maskuline Endung -a (studenta) kennst du schon – es ist die belebte Akkusativform.

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Beispiele

Der Genitiv taucht in vielen Rollen auf. Achte auf die Endung und darauf, wofür er steht:

iz Sarajeva
aus Sarajevo
Herkunft (nach „iz")
knjiga studenta
das Buch des Studenten
Besitz (wessen?)
čaša vode
ein Glas Wasser
Menge
Nemam vremena.
Ich habe keine Zeit.
nach Verneinung
kod kuće
zu Hause
Präposition „kod"
Nema problema!
Kein Problem!
feste Wendung

Fällt dir das Muster auf? Der Genitiv steht nach Präpositionen (iz, kod), für Besitz (knjiga studenta), für Mengen (čaša vode) und nach Verneinung (nemam vremena). Die Endungen: Maskulin & Neutrum -a (Sarajeva, studenta), Feminin auf -a wird -e (vode, kuće).

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Die Regel

Gruppe 1: Wofür steht der Genitiv?

Der Genitiv ist ein echtes Multitalent. Seine Grundfrage: čiji? (wessen?) bzw. čega? (von was?)

Aufgabe Beispiel
Besitz (wessen?) knjiga studenta – das Buch des Studenten
Herkunft (iz, od) iz Bosne – aus Bosnien
Menge čaša vode – ein Glas Wasser
nach Verneinung Nemam novca. – Ich habe kein Geld.

Gruppe 2: Präpositionen & Verneinung

Kein anderer Fall hat so viele Präpositionen. Hier die wichtigsten – die meisten davon brauchst du täglich:

Präposition Bedeutung Beispiel
izausiz Bosne (aus Bosnien)
odvonod brata (vom Bruder)
dobis (zu)do grada (bis zur Stadt)
kodbeikod kuće (zu Hause)
bezohnebez tebe (ohne dich)
poslijenachposlije škole (nach der Schule)
Verneinung mit „nema": „nema / nemam" + Genitiv heißt „es gibt kein …" bzw. „ich habe kein …": „Nema problema!" (Kein Problem!), „Nemam vremena." (Ich habe keine Zeit.), „Nema struje." (Es gibt keinen Strom.)

Gruppe 3: So bildest du den Genitiv (Singular)

Jetzt zur Form – und die ist erfreulich übersichtlich: Maskulin und Neutrum verhalten sich gleich, Feminin auf -a bekommt -e.

Geschlecht Endung Beispiele
Maskulin+ -agrad → grada, student → studenta
Neutrum-o/-e → -aselo → sela, Sarajevo → Sarajeva
Feminin auf -a-a → -ežena → žene, Bosna → Bosne
Schon bekannt: Der maskuline Genitiv Singular (studenta) ist identisch mit dem belebten Akkusativ – „Vidim studenta" (Akkusativ) und „knjiga studenta" (Genitiv). Eine Form, die du also schon beherrschst.

Gruppe 4: So bildest du den Genitiv (Plural)

Die gute Nachricht zuerst: Die Grundendung ist in allen drei Geschlechtern -a – die Abweichungen siehst du gleich darunter. Die Arbeit steckt also nicht in der Endung, sondern im Stamm davor.

Geschlecht Endung Beispiele
Maskulin+ -aprijatelj → prijatelja, konj → konja
Neutrum-o/-e → -aselo → sela, more → mora
Feminin auf -a-a → -ažena → žena, knjiga → knjiga
Vieles sieht unverändert aus – ist es aber nicht. „žena" und „pet žena" schreibt man gleich (gesprochen ist das -a im Plural lang), Maskulin und Neutrum sehen aus wie ihr Genitiv Singular (konja, sela). Erkennen wirst du es an der Zahl oder dem Mengenwort davor.

Beim Maskulinum lohnt der zweite Blick. Die Endung -a hängt in der Regel am Stamm des Genitiv Singular – den hast du gerade in Gruppe 3 gelernt. Am Nominativ Plural siehst du nur, ob das Wort den langen Plural (-ov-/-ev-) bildet – ableiten solltest du die Form nicht daraus (učenici, aber učenika):

Nominativ Pl. Genitiv Pl. Muster
prijateljiprijateljaStamm unverändert
gradovigradovalanger Plural: -ov-
noževinoževalanger Plural: -ev-
studentistudenataeingeschobenes -a-
-ova oder -eva? Das entscheidet der letzte Konsonant – und zwar schon im Nominativ Plural, du musst dir also nichts Neues merken. Nach weichen Konsonanten (j, lj, nj, č, ć, dž, đ, š, ž) steht -ev-, sonst -ov-: grad → gradova, sin → sinova, aber nož → noževa, ključ → ključeva. Wörter auf -c kommen über den Zischlaut dorthin: zec → zečevi → zečeva. Nicht jedes kurze Wort bildet den langen Plural – konj → konji → konja, dan → dani → dana, zub → zubi → zuba.
Das eingeschobene -a-: Endet der Stamm auf zwei Konsonanten, schiebt sich meist ein -a- dazwischen – in allen drei Geschlechtern: student → studenata, sestra → sestara, pismo → pisama. Nur beim Maskulinum trennt es Singular und Plural: studenta (eines Studenten) ↔ studenata (der Studenten).
Die -i-Gruppe: Feminina, die auf einen Konsonanten enden, bekommen -i statt -a: noć → noći, riječ → riječi. Dieselbe Endung haben ein paar häufige Maskulina – darunter das Wort aus dem Beispiel unten: čovjek → ljudi → ljudi (mnogo ljudi), sat → sati (pet sati), mjesec → mjeseci (pet mjeseci).
Sammelwörter statt Plural: „dijete" (Kind) und „brat" (Bruder) bilden keinen normalen Plural, sondern die Sammelwörter djeca und braća. Sie werden wie feminine Wörter auf -a im Singular gebeugt, der Genitiv lautet also djece und braće: „mnogo djece" (viele Kinder), „Nemam braće." (Ich habe keine Brüder.)
Wozu das alles? Mengen und Zahlen. Nach Mengenwörtern und Zahlen ab 5 steht der Genitiv Plural – deshalb brauchst du ihn täglich: „pet gradova" (fünf Städte), „pet knjiga" (fünf Bücher), „mnogo ljudi" (viele Leute), „kilogram jabuka" (ein Kilo Äpfel).
Und der Rest? Ein paar Wörter haben eigene Genitiv-Plural-Formen behalten – ruku, očiju, stričeva. Die brauchst du auf B1 noch nicht; sie stehen gesammelt im Kapitel Kasusfeinheiten & Wortbildung (C1).
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Deutsch ↔ Bosnisch

Deutsch

Der Genitiv wird seltener und wirkt oft gehoben: „das Buch des Studenten".

Im Alltag ersetzt man ihn oft durch „von + Dativ": „das Buch von dem Studenten".

Bosnisch

Der Genitiv ist alltäglich und sehr häufig – kein Ersatz nötig: „knjiga studenta".

Besonders bei Herkunft (iz Bosne), Mengen (čaša vode) und nach Verneinung (nemam …).

Der Genitiv lohnt sich: Im Deutschen weicht man ihm oft aus – im Bosnischen ist er unverzichtbar. Die gute Nachricht: Die Wortstellung beim Besitz ist gleich (Ding + Besitzer: „das Buch des Studenten" = „knjiga studenta"), und die maskuline Form kennst du schon aus dem Akkusativ.

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Üben

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Spickzettel

Das Wichtigste auf einen Blick

Aufgaben: Besitz (wessen?), Herkunft (iz/od), Mengen, nach Verneinung – und nach vielen Präpositionen.
Maskulin & Neutrum: Singular + -a (grad → grada, Sarajevo → Sarajeva), Plural ebenfalls -a – bei vielen kurzen maskulinen Wörtern am langen Stamm (gradova), manchmal mit eingeschobenem -a- (studenata, pisama).
Feminin auf -a: Singular -a → -e (žena → žene, Bosna → Bosne), Plural -a → -a (pet žena, pet knjiga; mit Einschub: sestara).
Wichtige Präpositionen: iz (aus), od (von), do (bis), kod (bei), bez (ohne), poslije (nach).
Verneinung: „nema / nemam" + Genitiv – „Nema problema!", „Nemam vremena."
Merke: Der maskuline Genitiv Singular (studenta) ist gleich dem belebten Akkusativ. Im Plural ist -a die Grundendung in allen drei Geschlechtern – Ausnahmen: die -i-Gruppe (ljudi, sati, noći) und die Sammelwörter (djece, braće).