Passiv
Wie das Bosnische sagt „etwas wird gemacht", ohne zu nennen, wer es macht – mit „se" oder mit einem Partizip.
Einstieg
An einer Ladentür in Sarajevo hängt ein Schild: Ovdje se govori bosanski. – „Hier wird Bosnisch gesprochen." Niemand steht dabei, der spricht; wichtig ist nur die Handlung. Genau dafür gibt es das Passiv – und dieses kleine se ist im Bosnischen der häufigste Weg dahin.
Das Bosnische kennt zwei Passiv-Formen. Die erste ist das se-Passiv (reflexives Passiv): Kuća se gradi. (Das Haus wird gebaut.) Die zweite ist das Partizip-Passiv aus biti + Partizip: Kuća je sagrađena. (Das Haus ist/wurde gebaut.) Die erste beschreibt eher den laufenden Vorgang, die zweite eher das fertige Ergebnis.
Das Passiv-Konzept kennst du aus dem Deutschen längst. Neu ist nur: Im Alltag greifst du meist zum einfachen „se", und wer etwas getan hat, bleibt oft einfach ungenannt.
Beispiele
Zwei Bauweisen verstecken sich hier: einmal ein kleines „se", einmal „biti + Partizip". Erkennst du, welche Karte welche nutzt?
Zwei Muster: Beim se-Passiv steht ein unveränderliches se beim Verb (govori se, gradi se) – ideal für Vorgänge und für das deutsche „man". Beim Partizip-Passiv steht biti (je, su) plus ein Partizip, das sich wie ein Adjektiv angleicht (napisana, otvorena, sagrađen). Wer die Handlung ausführt, wird in beiden Fällen meist gar nicht genannt.
Die Regel
Gruppe 1: Das se-Passiv (die Alltagsform)
Man nimmt das aktive Verb in der 3. Person und hängt das Reflexivwort „se" an. Das ist die mit Abstand häufigste Passivform – perfekt für Vorgänge und für das deutsche unpersönliche „man".
| Aktiv | se-Passiv | Deutsch |
|---|---|---|
| grade kuću | kuća se gradi | das Haus wird gebaut |
| prodaju knjige | knjige se prodaju | die Bücher werden verkauft |
| govore bosanski | govori se bosanski | es wird Bosnisch gesprochen |
Gruppe 2: Das Partizip-Passiv (biti + Partizip)
Diese Form nutzt „biti" (je, su, bio je ...) plus das Partizip Passiv (trpni pridjev). Sie betont eher das Ergebnis oder den Zustand. Das Partizip bildet man je nach Verbendung.
| Infinitiv | Partizip (m / f / n) | Beispiel |
|---|---|---|
| napisati (-ati) | napisan / napisana / napisano | Pismo je napisano |
| otvoriti (-iti) | otvoren / otvorena / otvoreno | Vrata su otvorena |
| kupiti (-iti) | kupljen / kupljena / kupljeno | Auto je kupljeno |
| sagraditi (-iti) | sagrađen / sagrađena / sagrađeno | Kuća je sagrađena |
Gruppe 3: Der Urheber – meist weggelassen
Wer die Handlung ausführt, wird im Bosnischen normalerweise nicht genannt. Muss es doch sein, gibt es die formelle Wendung „od strane + Genitiv" – oder man formt einfach aktiv um.
| Lösung | Beispiel | Register |
|---|---|---|
| Urheber weglassen | Zgrada je obnovljena. | neutral, üblich |
| od strane + Genitiv | Zakon je usvojen od strane parlamenta. | formell, amtlich |
| aktiv umformen | Parlament je usvojio zakon. | natürlichste Lösung |
Deutsch ↔ Bosnisch
Zwei Passive mit Hilfsverb: das Vorgangspassiv mit „werden" (wird gebaut) und das Zustandspassiv mit „sein" (ist gebaut).
Der Urheber wird ganz selbstverständlich mit „von + Dativ" genannt: „Das Haus wird von der Firma gebaut."
Die häufigste Form ist das se-Passiv (kuća se gradi) für Vorgänge; das Partizip-Passiv (kuća je sagrađena) betont das Ergebnis.
Der Urheber bleibt meist ungenannt. Nur formell steht „od strane + Genitiv" – im Alltag formt man lieber aktiv um.
Kernbotschaft: Das Passiv als Idee kennst du schon. Neu sind zwei Gewohnheiten: Greif für Vorgänge zuerst zum einfachen „se" (das entspricht dem deutschen „wird ..." und dem „man"), und lass den Urheber meist weg. Das genus-angeglichene Partizip ist dir dabei aus Adjektiven (Kapitel 13) und dem Perfekt bereits vertraut.
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